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Begi Guggenheim – Olivia Kaiser
BackIm Roman "Picknick am Wegesrand" der Strugazki-Bruder besuchen Aliens die Erde und hinterlassen in sechs ueber den Planeten verteilten Zonen ihren Muell in der Form von Artefakten: Nullen, Geprickel, schwarze Spritzer, ewige Akkumulatoren. Die Zonen sind abgegrenzte und zugleich grenzenlose Borderlands, die in einem Roman, der am Hoehepunkt der bipolaren Weltordnung geschrieben wurde, Welt ueberhaupt erst herstellen.
Die Ausstellung von Begi Guggenheim und Olivia Kaiser laesst sich als kunstlerische Refiguration solcher Zonen lesen. Guggenheims skulpturale Objekte (Nofretetetiti, Elektromull Afrika, Android) verweisen formal wie semantisch auf eine Aesthetik des posthumanen Fragments: hybride Artefakte, die technoide Koerper mit kolonialen Spuren, digitalem Schrott und spekulativen Materialitaten verbinden. Sie erscheinen als archaeologische Rueckstande einer nicht naeher bestimmbaren Zukunft - oder als Ueberreste eines ersten Kontakts (first contact scenario), dessen Bedeutung sich jeder eindeutigen Semiose entzieht.
Ebenso weltbildend sind Olivia Kaisers Oelbilder, in denen Farbflaechen und figurative Elemente zwar stets um Abgrenzung ringen, zugleich aber von einem geheimnisvollen Kraftfeld bestimmt werden. Die Bild-Zonen Kaisers sind abstrakt - wie sie es nach der Katastrophe auch sein muessen: Nach der Katastrophe des Sinns wird Erscheinung abstrakt, heißt es in Adornos Aesthetischer Theorie. Die Gesetze der Zone sind unergruendlich. Kaisers Bilder gleichen autonomen Monaden. Sie ueben sich einerseits in einer Epochee, einer Ausklammerung der empirischen Welt, fassen die Widersprueche des gegenwaertigen Weltzusammenhangs jedoch zugleich auf radikale Weise. So werden sie sowohl zu Ab- und vor allem auch Gegenbildern von Welt und in ihrer eigenen, brisanten Weise realistisch.
Die Arbeiten beider Kuenstler:innen stehen in einem produktiven Verhaltnis zur Goldenen Kugel - jenem finalen, utopischen Ort der Strugazki-Zone, der Glueck fur alle verspricht, jedoch weder erreicht noch dargestellt werden kann. Dieses Nicht-Erreichbare konstituiert den aesthetischen Mehrsinn beider Positionen. Die Moeglichkeit des Gluecks vermitteln diese vor allem uber ihr Standhalten im Angesicht der Katastrophe.
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All
2023
2024
2025
2026
Editions 2024
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